Ratgeber
Öffentliche Ausschreibungen finden: Quellen, Suchprofil, CPV-Codes
Wer öffentliche Ausschreibungen finden will, braucht zwei Dinge: die richtigen Quellen und ein Suchprofil, das passende Treffer von Rauschen trennt. Hier erfahren Sie, wo Auftraggeber veröffentlichen und wie Sie Ihre Suche so aufbauen, dass die Sichtung beherrschbar bleibt.
Stand: 19.09.2026 · Redaktion: Stefan Schüssel

Viele Unternehmen suchen zu breit oder an der falschen Stelle. Die einen erhalten täglich lange Trefferlisten, in denen kaum etwas passt. Die anderen übersehen regionale Aufträge, weil sie nur eine einzige Quelle nutzen. Mit etwas Struktur lassen sich passende Ausschreibungen finden, ohne dass die Suche den Arbeitstag bestimmt.
Wo werden öffentliche Aufträge veröffentlicht?
In der Regel beginnt ein Vergabeverfahren mit einer Bekanntmachung. Darin beschreibt der Auftraggeber kurz, was er braucht, bis wann Angebote eingehen müssen und wo die Vergabeunterlagen liegen. Welche Quelle Sie im Blick haben sollten, hängt vor allem vom geschätzten Auftragswert ab. Größere Aufträge oberhalb der EU-Schwellenwerte erscheinen europaweit, kleinere werden national bekannt gemacht.
Für Ihre Suche heißt das: Eine einzige Quelle genügt selten. Gerade kleinere Aufträge von Gemeinden, Schulen oder Landkreisen tauchen häufig nur auf einer regionalen Plattform auf. Wer nur europaweit sucht, übersieht also Aufträge, die für mittelständische Betriebe oft gut erreichbar wären.
TED: europaweite Ausschreibungen finden
TED (Tenders Electronic Daily) ist die Online-Ausgabe des Supplements zum Amtsblatt der Europäischen Union. Dort veröffentlichen Auftraggeber aus allen Mitgliedstaaten ihre Verfahren oberhalb der EU-Schwellenwerte, die Suche ist kostenlos. Im Amtsblatt der EU (TED) erschienen zwischen September 2025 und September 2026 rund 90.000 Wettbewerbsbekanntmachungen deutscher Auftraggeber – nur Aufträge oberhalb der EU-Schwellenwerte (Abfrage vom 18.09.2026). National bekannt gemachte Verfahren kommen hinzu.
Die Suche auf TED lässt sich unter anderem nach Land, Auftragsart und CPV-Code filtern. Die Bekanntmachungen folgen einheitlichen Formularen, was den Vergleich erleichtert. Die eigentlichen Vergabeunterlagen liegen allerdings meist nicht bei TED, sondern auf der Vergabeplattform, die in der Bekanntmachung genannt ist. Wie Sie dort Unterlagen abrufen und Angebote abgeben, erklärt der Beitrag zur E-Vergabe.
service.bund.de, Landes- und Kommunalplattformen
Unterhalb der EU-Schwellenwerte veröffentlichen Auftraggeber national. Eine zentrale Anlaufstelle ist service.bund.de: Dort finden Sie Ausschreibungen von Bundesbehörden und vielen weiteren Auftraggebern. Daneben betreiben Länder, Kommunen und kommunale Zusammenschlüsse eigene Vergabeplattformen oder nutzen Plattformen, die für ihre Region vorgesehen sind. Manche Städte veröffentlichen zusätzlich auf ihrer Website oder in ihrem Amtsblatt.
Diese amtlichen Quellen können Sie kostenlos durchsuchen. Der Aufwand liegt woanders: Sie müssen viele Quellen regelmäßig abfragen, jede mit eigener Suchmaske und eigener Logik. Kommerzielle Ausschreibungsdienste bündeln Quellen und verschicken Treffer per E-Mail. Sie nehmen Ihnen das Sammeln ab, aber nicht die Frage, ob ein Auftrag wirklich zu Ihrem Betrieb passt.
Ausschreibungen in Bayern und München finden
Ein Beispiel für regionale Quellen: Der Freistaat Bayern und seine öffentlichen Auftraggeber veröffentlichen Bekanntmachungen und elektronische Vergabeverfahren auf auftraege.bayern.de; Unternehmen registrieren sich dort kostenfrei. Das Bayerische Staatsministerium für Wohnen, Bau und Verkehr betreibt die Vergabeplattform vergabe.bayern, die Landeshauptstadt München eine eigene Vergabeplattform. Andere Länder und Städte haben vergleichbare Portale. Welche Plattform ein Verfahren nutzt, steht in der Bekanntmachung.
Das Suchprofil: was hineingehört
Ein Suchprofil beschreibt, welche Aufträge für Sie infrage kommen und welche nicht. Es ist die Grundlage für jeden Suchlauf, ob Sie ihn selbst starten oder automatisiert laufen lassen. Ein brauchbares Profil enthält mindestens diese Punkte:
- Leistungen: was Sie anbieten, in den Worten, die Auftraggeber verwenden, nicht in Ihrer internen Fachsprache.
- CPV-Codes: die Codes, unter denen Ihre Leistungen typischerweise ausgeschrieben werden.
- Region: wo Sie die Leistung realistisch erbringen können, etwa im Umkreis Ihrer Standorte.
- Auftragsgröße und Laufzeit: was Sie personell und finanziell stemmen können.
- Ausschlussbegriffe: Wörter, die verlässlich auf unpassende Aufträge hinweisen.
Ein Beispiel: Ein Malerbetrieb sucht nach „Malerarbeiten“, „Anstricharbeiten“ und „Beschichtung“. Weil „Beschichtung“ auch Korrosionsschutz an Brücken und Stahlbauten liefert, setzt er diese Begriffe auf die Ausschlussliste, sofern er solche Arbeiten nicht ausführt.
CPV-Codes richtig nutzen
CPV steht für Common Procurement Vocabulary, auf Deutsch Gemeinsames Vokabular für öffentliche Aufträge. Es ist ein EU-weit einheitliches Verzeichnis, das Leistungen einen Zahlencode zuordnet. Die Codes sind hierarchisch aufgebaut: Codes, die mit 45 beginnen, stehen für Bauarbeiten, Codes mit 909 am Anfang für Reinigungsdienste. Je mehr Stellen Sie festlegen, desto enger wird die Suche.
In der Praxis haben CPV-Codes zwei Schwächen. Auftraggeber wählen sie nicht immer einheitlich, und manche Bekanntmachungen tragen nur einen groben Hauptcode. Eine Suche allein über Codes verpasst deshalb Aufträge, eine Suche allein über Stichworte liefert viel Unpassendes. Bewährt hat sich die Kombination: Codes für die Breite, Stichworte und Ausschlussbegriffe für die Schärfe.
Warum Suchlauf und Sichtung zusammengehören
Ein Treffer ist noch keine Chance. Ob ein Auftrag passt, zeigt sich erst in den Unterlagen: in der Leistungsbeschreibung, den geforderten Nachweisen und Referenzen, den Fristen und den Vertragsbedingungen. Eine Reinigungsausschreibung kann gut ins Profil passen und trotzdem ausscheiden, weil sie Referenzen aus Krankenhäusern verlangt, die Sie nicht haben. Deshalb gehört zu jedem Suchlauf eine Sichtung, bevor Sie Zeit in ein Angebot stecken.
Die Sichtung braucht Übung und einen festen Ablauf. Wie Sie Vergabeunterlagen prüfen, beschreibt ein eigener Beitrag. Für die erste Einschätzung genügt oft eine kurze Checkliste: Leistung, Ort, Frist, Eignung, Zuschlagskriterien. So trennen Sie rasch zwischen Ausschreibungen, die eine genaue Prüfung verdienen, und solchen, die Sie beiseitelegen.
So unterstützen wir Sie bei der Suche
Wir erstellen Ihr Suchprofil gemeinsam mit Ihnen und suchen bundesweit nach passenden Ausschreibungen. Dabei arbeiten wir mit dem Tender Center, unserer eigenen, lokal betriebenen KI-Analyse: Sie liest Bekanntmachungen und Unterlagen, gleicht sie mit Ihrem Profil ab und markiert Fristen, geforderte Nachweise und Referenzen. Die Einschätzung, ob sich ein Angebot lohnt, treffen Menschen, und zwar gemeinsam mit Ihnen. Welche Schritte wir darüber hinaus übernehmen, zeigen unsere Leistungen als Dienstleister für öffentliche Ausschreibungen.
Häufige Fragen
Wo kann ich Ausschreibungen kostenlos finden?
Die amtlichen Quellen sind kostenlos: TED für europaweite Verfahren, service.bund.de sowie die Vergabeplattformen von Ländern und Kommunen. Oberhalb der EU-Schwellenwerte müssen Auftraggeber auch die Vergabeunterlagen unentgeltlich und direkt abrufbar bereitstellen. Der eigentliche Aufwand ist Ihre Zeit für regelmäßige Suche und Sichtung.
Was ist ein CPV-Code bei Ausschreibungen?
Ein CPV-Code ist eine Ziffernfolge aus dem Gemeinsamen Vokabular für öffentliche Aufträge, einem EU-weit einheitlichen Verzeichnis. Er ordnet eine ausgeschriebene Leistung einer Kategorie zu, etwa Bauarbeiten oder IT-Dienste. In den Bekanntmachungen auf TED sind die Codes angegeben, und Sie können gezielt danach filtern. Welche Codes zu Ihren Leistungen passen, erkennen Sie gut an früheren Ausschreibungen aus Ihrer Branche.
Wie oft sollte ich nach öffentlichen Ausschreibungen suchen?
Neue Bekanntmachungen erscheinen laufend, und zwischen Veröffentlichung und Angebotsfrist bleibt nicht immer viel Zeit. Eine tägliche oder zumindest mehrmals wöchentliche Suche lässt genug Luft für Sichtung, Bieterfragen und Angebot. Automatische Suchaufträge mit einem sauberen Suchprofil nehmen Ihnen das wiederholte Abfragen ab.
Finde ich über TED auch kleinere Aufträge?
Nur begrenzt. TED ist für Verfahren oberhalb der EU-Schwellenwerte bestimmt, kleinere Aufträge werden national bekannt gemacht, etwa über service.bund.de oder Plattformen von Ländern und Kommunen. Manche Auftraggeber veröffentlichen freiwillig auch kleinere Verfahren europaweit, verlassen sollten Sie sich darauf aber nicht.
Dieser Ratgeber gibt einen allgemeinen Überblick für Bieter (Stand: 19.09.2026). Er ersetzt keine Rechtsberatung. Maßgeblich sind die Vergabeunterlagen des jeweiligen Verfahrens und die zum Zeitpunkt der Bekanntmachung geltende Rechtslage. Rechtliche Fragen klären Sie bitte mit einer Fachanwältin oder einem Fachanwalt für Vergaberecht.
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